Werbung
⚡ ElektroWissen

Startseite → Größen → Drehmoment (M)

Drehmoment (M)

Wähle das Erklärungsniveau, das zu deinem Lernstand passt.

Einheit

Newtonmeter (N·m)

Einfach erklärt

Das Drehmoment (M) beschreibt die "Drehkraft", mit der ein Elektromotor eine Welle antreibt – vergleichbar mit einem Schraubenschlüssel: Je länger der Hebel (r) oder je größer die Kraft (F), desto größer das Drehmoment M=F·r. Die Einheit ist Newtonmeter (N·m). Bei Elektromotoren entsteht das Drehmoment aus dem Zusammenspiel von Magnetfeld und Strom im Läufer; bei gleicher mechanischer Leistung P liefert ein langsam drehender Motor ein größeres Drehmoment als ein schnell drehender (P=M·ω). Typische Werte: ein kleiner Modellbau-Servo liefert Bruchteile eines N·m, ein Haushaltsstaubsaugermotor einige zehntel N·m, ein Pkw-Elektroantrieb 200–400 N·m, eine Windkraft-Hauptwelle mehrere Meganewtonmeter.

Merksatz: Bei gleicher Leistung gilt: hohe Drehzahl bedeutet niedriges Drehmoment und umgekehrt – deshalb haben Elektroautos oft ein Getriebe mit nur einer festen Übersetzung, um Drehzahl und Drehmoment sinnvoll anzupassen.

Fortgeschrittene Erklärung

Im Elektromotor entsteht das Drehmoment (M) durch die Lorentzkraft auf stromdurchflossene Leiter im Magnetfeld. Bei einer Gleichstrommaschine gilt näherungsweise M=k_T·I, wobei die Drehmomentkonstante k_T vom magnetischen Fluss und der Wicklungsgeometrie abhängt – das Drehmoment ist hier direkt proportional zum Ankerstrom, unabhängig von der Drehzahl. Bei Asynchronmotoren ist der Zusammenhang komplexer: Das Drehmoment hängt vom Schlupf s zwischen Drehfeld- und Läuferdrehzahl ab und folgt der sogenannten Kloss'schen Formel, mit einem Maximum beim Kippmoment M_K und deutlich reduziertem Anlaufmoment im Vergleich dazu.

Wichtige Kennwerte im Motordatenblatt sind Nenndrehmoment (bei Nennleistung und Nenndrehzahl), Anlaufmoment (beim Start, s=1), Kippmoment (maximal erreichbares Moment, oberhalb dessen der Motor "kippt" und stehen bleibt) und das Trägheitsmoment der Last, das über M=J·dω/dt die Beschleunigungsfähigkeit begrenzt.

Ein verbreiteter Umrechnungsfehler ist, das über P=M·ω aus elektrischer Leistung berechnete Moment mit dem tatsächlichen Wellenmoment gleichzusetzen: Reibungs-, Lüftungs- und Ummagnetisierungsverluste verringern das an der Welle nutzbare (mechanische) Drehmoment gegenüber dem im Luftspalt erzeugten elektromagnetischen Moment. Für die Umrechnung von N·m zu min⁻¹-basierten Leistungswerten muss ω stets in rad/s (ω=2πn/60) eingesetzt werden, nicht direkt die Drehzahl n.

Gemessen wird Drehmoment mit Drehmomentmessnaben, Dehnungsmessstreifen auf der Welle oder – bei Elektromotoren im Prüfstand – über eine Bremse mit bekanntem Hebelarm und Kraftmessung, oder indirekt und mit größerer Unsicherheit über elektrische Leistung und Wirkungsgrad.

Fachlicher Hinweis: Ein Drehmoment ist erst mit Bezugsachse und Drehrichtung vollständig definiert; bei Antrieben mit wechselnder Lastrichtung (z. B. Aufzüge, Hebezeuge) ist das Vorzeichen von M sicherheitsrelevant.

Wichtige Formeln und Zusammenhänge

M = F · r
P = M · ω, mit ω = 2π · n / 60
M = P / ω

M Drehmoment in Newtonmeter (N·m), F angreifende Kraft senkrecht zum Hebelarm in Newton (N), r Hebelarm/Radius in Meter (m), P mechanische Leistung in Watt (W), ω Winkelgeschwindigkeit in rad/s, n Drehzahl in min⁻¹.

Beispiel und Vorgehensweise

Ein Elektromotor liefert P=7,5 kW mechanische Leistung bei n=1450 min⁻¹ (typischer 4-poliger Asynchronmotor). Gesucht ist das Drehmoment M.

  1. Drehzahl in Winkelgeschwindigkeit umrechnen: ω=2π·n/60=2π·1450/60≈151,8 rad/s.
  2. Formel wählen: M=P/ω.
  3. Einsetzen: M=7500 W/151,8 rad/s.
  4. Ergebnis: M≈49,4 N·m.
  5. Plausibilität: Für einen 7,5-kW-Motor dieser Baugröße ist ein Nenndrehmoment um 49 N·m realistisch.

Derselbe Motor soll über einen Hebel mit r=0,2 m eine Last anheben. Gesucht ist die maximale Kraft F, die der Motor bei Nenndrehmoment aufbringen kann, sowie die Zeit für 10 Umdrehungen bei Nenndrehzahl.

Kraft am Hebel: F=M/r=49,4 N·m/0,2 m=247 N. Zeit für 10 Umdrehungen bei n=1450 min⁻¹=24,17 U/s: t=10/24,17≈0,41 s. Zu beachten ist, dass 49,4 N·m das aus der elektrischen Nennleistung berechnete Wellenmoment ist – das im Luftspalt erzeugte elektromagnetische Moment liegt wegen Reibungs- und Lüftungsverlusten geringfügig darüber.

Verwandte Größen

Passende Rechner

Weiterführend

Passende Berechnungen findest du im Rechnerbereich. Eigene Tabellen und Übersichten gibt es im Tabellenbuch.

Werbung